Security überflüssig

Wenn Jehova das Haus nicht baut, vergebens arbeiten daran die Bauleute; wenn Jehova die Stadt nicht bewacht, vergebens wacht der Wächter.
Elberfelder 1871 – Psalm 127,1

Wo Jehovah nicht das Haus baut, da mühen sich umsonst (im Eitlen), die daran bauen. Wo Jehovah nicht die Stadt hütet, da wachet der Hüter umsonst (im Eitlen). Pred 9,11.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Psalm 127,1

Würde Gott einen Bau alleinlassen, könnten alle Bauleute gleich einpacken. Würde Gott eine Stadt nicht bewachen, könnte keine Security sie sicher machen.
VolxBibel – Psalm 127:1

Es gibt die Redensart: »Wenig ist viel, wenn Gott mit dabei ist«, doch ist das Gegenteil ebenso wahr: »Viel ist nichts, wenn Gott nicht dabei ist.« Und darum geht es in diesem Psalm: Wenn unser ganzes Handeln nicht von dem Herrn angeordnet und geleitet wird, ist es nur Verschwendung von Zeit und Kraft. Wir können von uns aus Projekte anpacken, auch im christlichen Dienst; wir können große organisatorische Imperien aufbauen; wir können haufenweise Statistiken erstellen, um erstaunliche Ergebnisse aufzuzeigen; aber wenn diese Projekte nicht Reben sind, die der Herr gepflanzt hat, so sind sie weniger als wertlos. »Der Mensch denkt, und Gott lenkt.«
Der Psalmist wählt vier gewöhnliche Tätigkeiten des Lebens aus, um diesen Punkt deutlich zu machen. Es handelt sich um Hausbau, um die Zivilverteidigung, ganz allgemein um den Broterwerb und um die Familie.
127,1 Es gibt zwei Arten, ein Haus zu bauen. Die eine ist, nach Plänen vorzugehen, die eigene Klugheit, Tüchtigkeit, finanzielle Hilfsmittel zur Grundlage haben, und dann Gott zu bitten, er möge das Ganze segnen. Die andere Art ist, auf die unmissverständliche Leitung des HERRN zu warten, um dann in bewusster Abhängigkeit von ihm vorzugehen. Im ersten Fall wird sich das Projekt nie über »Fleisch und Blut« erheben. Im zweiten ist es spannend zu sehen, wie Gott eindrucksvoll für die notwendigen Hilfsmittel sorgt, indem er auf wunderbare Weise die Zeitpunkte und die Reihenfolge der Geschehnisse bestimmt, indem er die Umstände so zusammentreffen lässt, dass man sie niemals den Gesetzen des Zufalls zuschreiben kann. Darin besteht der himmelweite Unterschied, wenn man mit Gott baut.
Das zweite Bild nutzloser menschlicher Bemühungen ohne Gott betrifft das Gebiet der Sicherheit: Wenn der HERR die Stadt nicht bewacht, wacht der Wächter vergebens. Dies bedeutet nicht, dass wir keine Polizei oder andere Sicherheitskräfte bräuchten. Vielmehr bedeutet es, dass unsere Sicherheit letztlich bei dem Herrn liegt, und wenn wir uns nicht wirklich auf ihn verlassen, reichen unsere gewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen nicht aus, um unsere Sicherheit zu gewährleisten.

MacDonald . Kommentar zum Alten Testament

Diese Worte klingen an das Predigerbuch an (das ebenfalls von Salomo stammt). Salomo sagte in diesem Psalm, daß es vergeblich sei, ohne den Herrn wirken zu wollen. Erbauer bauen ein Haus vergeblich, wenn der HERR es nicht baut . Wächter wachen vergeblich, wenn der HERR nicht wacht ; auch wenn der Mensch sich über die Arbeit für seine Nahrung sorgt und viele Stunden arbeitet, so ist es doch vergeblich (vgl. Ps 128,2 ). Der entscheidende Punkt ist der, daß von Gott unabhängig getane Arbeit fruchtlos bleiben wird. Aber wer auf den Herrn vertraut, wird Ruhe finden.
Der Ausdruck Mühsal bedeutet nicht, daß der Mensch nicht fleißig arbeiten soll, denn dazu ruft die Bibel ihn auf. Der Vers hebt jedoch hervor, daß langer Tage Arbeit ohne göttliche Fürsorge und Hilfe umsonst ist. Der Gedanke von Vers 1 wird fortgeführt.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Salomo könnte dazu neigen, auf seinen eigenen Verstand und seine Einsicht zu vertrauen (Spr 3,5), deshalb lehrt ihn sein Vater, höher zu schauen, Gott bei allem mitzunehmen, was er tut. Wir müssen:
In allen familiären Angelegenheiten auf Gott schauen. Wir müssen auf Gottes Segen und nicht auf unseren eigenen Plan vertrauen:
1.1 Um eine Familie zu errichten: „Wenn der HERR nicht das Haus baut“, durch seine Vorsehung und seinen Segen, „dann arbeiten umsonst“, selbst wenn sie klug sind, „die daran bauen“ (Vers 1). Wir können das so verstehen, dass es sich auf ein wirkliches Haus bezieht: Wenn nicht der Herr den Bau segnet, ist es sinnlos, wenn die Menschen bauen. Wenn das Modell und die Pläne stolz und mit Selbstgefälligkeit erstellt wurden oder wenn das Fundament mit Unterdrückung und Ungerechtigkeit gelegt wird (Hab 2,11–12), dann baut Gott dort sicherlich nicht. In der Tat ist es so, dass, wenn Gott nicht anerkannt wird, dann haben wir keinen Grund, seinen Segen zu erwarten, und ohne seinen Segen führt alles zu nichts. Oder vielleicht bezieht sich das darauf, dass eine niedrige Familie Bedeutung erlangt. Die Menschen mühen sich sehr, dies durch vorteilhafte Eheschließungen, Leistungen, Taten und Anschaffungen zu erreichen, doch all das ist vergeblich, wenn nicht Gott die Familie baut.
1.2 Um eine Familie oder eine Stadt zu schützen. Wenn die Wachen einer Stadt diese nicht ohne Gott schützen können, dann können noch viel weniger gute Hauseigentümer ihr Haus vor Schaden bewahren.
1.3 Um eine Familie reich zu machen. Das erfordert Zeit und Nachdenken, doch man kann es ohne das Wohlwollen der Vorsehung nicht alleine durch Zeit und Nachdenken erreichen. „ ‚Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und spät aufbleibt‘ (Vers 2) und euch so die leibliche Erquickung nehmt, weil ihr eifrig dem Reichtum dieser Welt nachjagt.“ Menschen tun dies alles, um an Geld zu kommen, doch all diese Mühe ist vergeblich, wenn Gott sie nicht gelingen lässt, denn nicht immer erlangen die Verständigen den Reichtum (Pred 9,11). Wer Gott liebt und von ihm geliebt wird, dessen Geist hat Frieden und er lebt sehr behaglich ohne all diese Sorgen. Gott gibt uns Schlaf, wie er ihn seinen Geliebten gibt, wenn er uns mit ihm auch die Gnade gibt, dass wir uns in der Furcht vor ihm niederlegen – unsere Seele kehrt zu ihm zurück und stützt sich auf ihn als unsere Ruhe – und wenn wir aufwachen und vor ihm still sind (139,18; 3,6) und die Erquickung, die wir durch den Schlaf bekommen haben, gebrauchen, um ihm zu dienen. „Solches gibt er seinem Geliebten im Schlaf!“ (Vers 2). Das meint Ruhe und Gelassenheit des Geistes, ein schönes Genießen des gegenwärtigen Augenblicks und eine ermutigende Erwartung für die Zukunft.

Der Neue Matthew Henry Kommentar


Wo der Herr nicht das Haus bauet usw. Wir haben keinen Grund, die salomonische Abfassung dieses Psalms zu leugnen und in der Aufschrift, vom gewöhnlichen Sprachgebrauch abweichend, zu übersetzen: für Salomo. Es passt vorzüglich, dass der des Staatswesens kundige Salomo durch den Geist des Verstandes über die Dinge redet, die ihm so vertraut sind. Wenn er behauptet, dass die Welt und das menschliche Leben unter göttlicher Leitung stehen, so sind es zwei Umstände, die ihn dazu veranlassen. Zum ersten, dass die Menschen, wenn ihnen einmal etwas gelungen ist, alsbald ihre Undankbarkeit an den Tag legen, indem sie es ganz und gar sich selbst zuschreiben. So bringen sie Gott um die Ehre, die ihm gebührt. Um uns von dieser Unart zu heilen, erklärt Salomo, wir hätten überhaupt nur insoweit Erfolg bei unserem Tun, als Gott Glück und Segen dazu gibt. Zum weiten will er das törichte Selbstvertrauen der Menschen zerstören, welche unter Hintansetzung Gottes, bloß im Vertrauen auf den eigenen Verstand und die eigene Kraft, alles Möglich dreist unternehmen. Er reißt ihnen weg, was sie sich ohne Grund anmaßen, und ermahnt sie zur Demut und zum Gebet. Der Menschen Arbeiten oder Streben oder Planen verwirft er nicht: der Eifer in der Erfüllung unserer Pflicht ist eine lobenswerte Eigenschaft. Gott will nicht, dass wir Klötzen gleichen oder auf der faulen Haut liegen, sondern dass wir gebrauchen und anwenden, was er uns gegeben hat. Es ist ja wahr: der größte Teil unserer Mühe und Arbeit rührt von dem Fluche Gottes her; und doch, auch wenn wir in paradiesischer Unschuld geblieben wären, wäre es immer noch Gottes Wille, dass wir uns regen, gleichwie Adam in den Garten gesetzt wurde, ihn zu bebauen. Also Salomo will die Wachsamkeit, die Gott gefällt, nicht im geringsten verurteilen, auch nicht die Arbeit, mit der man dem Herrn ein angenehmes Opfer bringt, wenn man sich ihr im Gehorsam gegen sein Gebot willig unterzieht. Aber wir sollen nicht in blinder Überhebung an uns reißen, was Gottes ist. Deshalb werden wir erinnert, dass wir mit unserer Geschäftigkeit nichts zu Wege bringen, als nur soweit der Herr Segen zu unserer Arbeit gibt.
Mit dem „Haus“ meint er nicht bloß den Bau von Holz oder Stein, sondern er begreift damit die ganze wirtschaftliche Ordnung; und mit der „Stadt“ bezeichnet er nicht bloß ein Gebäude oder die Umfassungsmauern, sondern die gesamte Staatsverfassung. Auch was er sagt von denen, die bauen, und von dem Wächter, der wachet, ist in weiterem Sinne zu nehmen: was die Menschen an Mühe, Überlegung und Fleiß aufwenden zum Schutz der Familie oder zur Erhaltung der Stadt, das wird alles vergeblich sein, wenn der Herr nicht vom Himmel her gnädiges Gelingen gibt. Hier darf ich wiederholen, was ich soeben schon berührte: weil die Menschen gemeiniglich von einem so blinden Stolze besessen sind, dass sie Gott gering achten und ihre Gaben über die Maßen hochhalten, so gibt es nichts Heilsameres, als in die Schranken gewiesen zu werden, damit sie einsehen, dass alles, was sie beginnen, erfolglos sein wird, wenn Gott nicht aus lauter Gnade den Fortgang gibt.
Wenn die Weisen dieser Welt über Staatsverfassung verhandeln, so stellen sie in geistreicher Weise alles zusammen, was ihrer Meinung nach zu dem Gegenstand gehört: die Ursachen und die Mittel, die den Staat in die Höhe bringen, weisen sie mit Scharfsinn nach, andererseits die Fehler, durch welche ein gutes Staatswesen verdorben wird; kurz sie zählen mit großer Gewandtheit alles auf, was in dieser Beziehung zu wissen nötig ist, – nur dass sie die Hauptsache außer Acht lassen, nämlich dass die Menschen, so verständig und tüchtig sie auch sein mögen, in allem, was sie nur unternehmen, nichts ausrichten können, als nur soweit Gott ihnen die Hand reicht oder vielmehr sie als seine Werkzeuge gebraucht. Welcher Weltweise hat das je anerkannt, dass ein Staatsmann weiter nichts ist als ein Werkzeug in Gottes Hand? Nein, in der menschlichen Kraft finden sie die hauptsächliche Ursache der Wohlfahrt. Wenn so die Sterblichen in freventlicher Vermessenheit sich erheben, um Städte zu gründen, um die ganze Welt zu organisieren, so tut der heilige Geist recht daran, solchem Wahnsinn offen ins Gesicht zu leuchten. Tätig wollen wir sein, jeder nach seiner Gabe und Aufgabe, aber so, dass alles Lob, wenn etwas gelingt, bei Gott allein bleibt. Denn auch eine Teilung, wie viele sie sich denken, ist unbillig, dass einer, der sich wacker aufgeführt hat, die Hälfte des Lobes dem Herrn lässt, die andere für sich in Anspruch nimmt. Nein, Gottes Segen einzig und allein muss gelten und herrschen. Wenn demnach unser Erdenlos rein an Gottes Belieben hängt, wo sind dann die Flügel, mit denen wir uns bis zum Himmel erheben wollen? Wenn ein Haus eingerichtet, ein Lebensberuf erwählt wird, ja auch wenn Gesetze gegeben und Gerichte gehalten werden, so ist das alles nur ein Kriechen an der Erde; und dennoch sind alle unsere Bemühungen hier kraftlos, wie der heilige Geist verkündigt. Umso unleidlicher ist die Unvernunft derer, die in eigener Kraft bis in den Himmel dringen wollen.
Was ergibt sich nun daraus? Es ist nicht zu verwundern, wenn heutzutage Unordnung und Verwirrung in der Welt herrschen, wenn die Gerichte in den Städten aufgelöst sind, Ehegatten sich gegenseitig verklagen, Eltern über Kinder Beschwerde führen, alle ihr Geschick bejammern. Wer wendet sich denn noch an Gott in seinem Beruf und erhebt sich nicht selbst in vermessenem und aufgeblasenem Sinn? Es ist also nur der traurige Lohn, womit Gott gerechterweise den undankbaren Menschen vergilt, die ihn um seine Ehre betrügen. Würden sich alle demütig unter Gottes Vorsehung stellen, so würde ohne Zweifel in den einzelnen Beziehungen sowohl des öffentlichen Lebens als auch des Privatlebens der Segen zu sehen sein, den Salomo anpreist.
Das Wort, welches wir mit „arbeiten“ übersetzt haben, bedeutet nicht bloß sich mühen, sondern sich abmühen bis zur Erschöpfung. Unter den Wächtern sind, wie gesagt, nicht bloß die zu verstehen, die auf Wachtposten gestellt werden, sondern alle obrigkeitlichen und richterlichen Personen. Sind sie wachsam, so ist das eine Gabe von oben. Aber noch in anderer Beziehung haben wir nötig, dass Gott für uns wacht: denn wenn er nicht selbst die Wache vom Himmel aus hält, wird kein menschlicher Scharfblick genügen, um Gefahren abzuwehren.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar


Wer bewacht MEIN Haus?

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