alles möglich?

Jesus aber sprach zu ihm: Das „wenn du kannst“ ist, wenn du glauben kannst; dem Glaubenden (Nach and. Lesart: was das „wenn du kannst“ betrifft dem Glaubenden) ist alles möglich.
Elberfelder 1871 – Mk 9,23

„Wenn du etwas kannst?“, erwiderte Jesus. „Was soll das heißen? Für den, der Gott vertraut, ist alles möglich!“
NeÜ bibel.heute 2020 – Markus 9,23

»Wenn ich kann?«, fragte Jesus zurück. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.«
Hoffnung für Alle – 2015 – Mark 9:23

„Was ist das denn für ’ne Ansage? ‚Wenn ich dazu in der Lage bin‘? Alles ist möglich für jemanden, der hundert Prozent vertraut!“
VolxBibel – Markus 9:23

τὸ εἰ δύνῃ Art. τό steht vor zitierten Worten (A105; BDR § 2672) das Wort „wenn es dir möglich ist“; τό im Akk. der Beziehung (BDR § 1602; vgl. A149; od. im absoluten Nominativ m. ähnl. Kontextsinn [BDR § 2672]); τὸ εἰ δύνῃ, πάντα δυνατά (erg. ἐστίν [A78]) was dein „wenn es dir möglich ist“ betrifft, (so wisse:) alles ist möglich (vgl. Menge) od. (freier) „wenn es dir möglich ist“, sagst du? Alles ist möglich (vgl. NGÜ). [Var. πιστεῦσαι Aor. Inf. πιστεύω; τὸ εἰ δύνασαι (2. Sg.) πιστεῦσαι wohl wenn du glauben kannst.] δυνατός stark, mächtig; hier möglich. πιστεύοντι Ptz. πιστεύω, subst.; πάντα δυνατὰ τῷ πιστεύοντι dat. commodi (A173a) für den, der glaubt, ist alles möglich; dieser Satz lässt sich unterschiedl. deuten (wobei c am besten in den Kontext passt): a) = es gibt nichts, was ein Mensch, der Glauben hat, nicht tun kann; b) = es gibt nichts, was für den, der Glauben hat, (v. Jesus bzw. Gott) nicht getan werden kann; c) = es gibt nichts, was für den, der Glauben hat, nicht möglich ist (d. h. für den Glaubenden steht fest, dass den Möglichkeiten Jesu [bzw. Gottes] keine Grenzen gesetzt sind); in jedem Fall bedeutet Glauben im NT nie, sich zu zwingen, etwas zu „glauben“, was man im Grunde gar nicht glaubt; vielmehr geht es dabei um echtes Vertrauen auf Gott u. um die Entschlossenheit, seinen Willen zu erfahren u. zu tun (Carson, Mt, S. 446).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testamen

Ich möchte endlich Gewissheit haben. Felsenfest will ich es wissen. Was muss ich konkret tun, um die Gewissheit des Heils zu bekommen?
Das ist eine gute und wichtige Frage. Ich möchte sechs Punkte nennen.
1. Die Bibel lesen
Es ist wichtig, dass du die Bibel immer besser kennenlernst. Sauge die Worte Gottes auf wie ein trockener Schwamm. Stütze dich auf die objektiven Tatsachen der Schrift und nicht auf deine subjektiven Erlebnisse. Geh auch dahin, wo das Wort Gottes klar gepredigt wird. Durch das Lesen und Hören der biblischen Botschaft wird dein Blick von dir weg zu dem Herrn Jesus gelenkt, der am Kreuz auf Golgatha für dich alles gutgemacht und triumphierend ausgerufen hat: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30).
2. Beten
Auch wenn dein Glaube ganz schwach ist, so kannst du immer noch beten. Bitte Gott, dass er dir die Zweifel wegnimmt und deinen Glauben stärkt (Lk 17,5). Die Geschichte von dem Vater des besessenen Sohnes zeigt, wie der Herr einem zaghaften Vertrauen begegnet (Mk 9,14–27). Dieser Vater wollte gern an die Rettung seines Sohnes durch den Herrn Jesus glauben, aber sein Unglaube bedrängte ihn hart. In seiner inneren Zerrissenheit stieß er einen Hilfeschrei aus: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (V. 24). Und was geschah? Der Herr antwortete auf diesen „Halbglauben“, heilte seinen gepeinigten Sohn und stärkte damit den Glauben des Vaters. Dein „Notruf“ wird ebenso wenig ungehört verhallen!
3. Zweifel richtig einordnen
Vielleicht siehst du deine Zweifel als Beweise dafür an, dass deine Sache mit Gott nicht in Ordnung ist. Aber dreh das Ganze doch einmal herum: Sind deine Zweifel nicht der beste Beweis dafür, dass du unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes stehst? Denn denen, die Christus und sein Heil nicht kennen, sind deine Anfechtungen und Zweifel völlig fremd. Du plagst dich mit einem Problem herum, dass nur Kinder Gottes haben.
4. Mut fassen
Du darfst Mut fassen und brauchst in deinen Zweifeln nicht verzweifeln. Denn Gott, der es dem Aufrichtigen gelingen lässt, wird auch dich zur Gewissheit führen. Eines Tages wirst du dich in jenem Mann wiederfinden, der lange in einem Leuchtturm wohnte und auf die Frage, ob er bei Stürmen keine Angst habe, erwiderte: „Wenn der Sturm kommt, bin ich nur besorgt, das Licht am Brennen zu halten. Meine eigene Sicherheit ist hundertprozentig. Ich kümmere mich ausschließlich darum, dass andere das rettende Ufer erreichen.“
5. Sünde lassen
Du kannst keine Ruhe und keinen Frieden für deine Seele finden, wenn du Sünde in deinem Leben duldest. In ein Herz voller Unreinheit zieht der Friede Gottes nicht ein. Die Sünde verbaut dir den Weg zur Gewissheit und zur Freude. Wenn du aber dem Wort Gottes vertraust und dein Leben danach ausrichtest, wirst du feststellen, dass die aufkeimende Gewissheit auf vielerlei Weise bestätigt wird. So wird dir die Liebe, die du zu anderen Kindern Gottes hast, zur Bestätigung, dass du aus dem Tod in das Leben hinübergegangen bist (vgl. 1 Johannes 3,14).
6. Christus bekennen
Auch ein ehrliches Bekenntnis zu Christus trägt dazu bei, dass sich dein Glaube vertieft (vgl. Röm 10,9.10). Das macht die Geschichte der blutflüssigen Frau klar (Mt 9,18–22; Mk 5,25–34; Lk 8,43–48). Diese kranke Frau berührte heimlich die Quaste des Gewandes des Herrn Jesus, um gesund zu werden. Als sie spürte, dass sie geheilt war, wollte sie unbemerkt weggehen. Aber der Herr erlaubte das nicht und brachte sie dazu, die ganze Wahrheit öffentlich zu bekennen (Mk 5,33). Danach sagte der Herr zu ihr: „Tochter, dein Glaube hat dich geheilt; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage“ (Mk 5,34). Ohne diese Worte wäre sie nicht sicher gewesen, ob die Heilung vollständig war oder die Krankheit noch einmal ausbrechen würde. Sie hätte sich nur auf das stützen können, was sie gefühlt hatte. Nun aber erfuhr sie aus dem Mund des Sohnes Gottes – nach dem öffentlichen Bekenntnis –, dass sie geheilt und gesund war. Und wenn du dich zu deinem Retter Jesus Christus bekennst, wird sich deine innere Gewissheit festigen, dass Er dein Retter ist. Denn Wahrheiten, die wir bezeugen, graben sich tiefer in unser Herz ein!

Gerrid Setzer – Anker der Seele

Können alle Menschen glauben?
Antwort:
Auch der Glaube des Menschen beruht nur auf dem Wirken Gottes ( Joh 6,37.44.65 ). Damit ist aber seine Verantwortung im Hinblick auf sein Glauben- oder Nicht-Glauben-wollen nicht aufgehoben. Der Mensch ist und bleibt derjenige, der in voller Verantwortung dem Ruf Gottes Antwort schuldet. Aber die Bibel macht deutlich, daß der Glaube letztlich nicht eigener Entscheid und damit menschliches Werk ist, sondern nur Antwort auf Gottes Ruf und Einladung. Da sich der Ruf Gottes aber an alle Menschen richtet ( Joh 3,16 ; 1Tim 2,3-4 ), haben auch alle Menschen, die den Ruf Gottes hören, die Möglichkeit, auf den Ruf mit dem Ja des Glaubens zu antworten. Das genannte Nicht-glauben-können ist dann in Wirklichkeit ein Nicht-glauben- wollen.
Mk 9,23 ; Joh 6,29 ; Röm 4,16 a; 10,17 ; 2Thes 3,2 ; Hebr 11,6 .

Dieter Boddenberg – Arbeitsbuch für den biblischen Unterricht

Die Antwort Jesu ist ein klassischer Beleg für die Abhängigkeit des Segens vom Glauben. Die Macht Gottes ist immer verfügbar, aber der Glaube an Gott ist grundlegend. „Dem Glaubenden ist alles möglich.“

Was die Bibel lehrt – Markus

Christus antwortete auf seine Bitte: „Wenn du glauben kannst – alles ist möglich dem, der glaubt!“ (Vers 23). Er tadelte stillschweigend die Schwäche des Glaubens des Vaters. Der Leidende stellte Christi Macht infrage – wenn er kann, soll er etwas tun –, doch Christus kehrte die Frage zu jenem zurück und ließ jenen seinen Glauben infrage stellen: Er wollte, dass der Vater die Enttäuschung einem Mangel an Glauben zuschrieb: „Wenn du glauben kannst.“ Doch er unterstützte gnädig die Stärke seines Verlangens: „… alles ist möglich dem, der glaubt“ an die Allmacht Gottes, dem alle Dinge möglich sind. Bei der Beziehung zu Christus wird großes Gewicht auf unseren Glauben gelegt und diesbezüglich ist sehr viel verheißen. Es wird gefragt, ob man glauben kann, ob man es wagt zu glauben. Wenn man glauben kann, ist es möglich, dass das harte Herz weich gemacht wird, dass die geistlichen Krankheiten geheilt werden können und dass man, schwach wie man ist, in der Lage ist, bis zum Ende durchzuhalten.

Der Neue Matthew Henry Kommentar

In seiner Antwort V. 23 nimmt Jesus zunächst die zweifelnde Bedingung des Vaters auf. Die Einschränkung „wenn du kannst“ ist nicht angemessen, da der/dem Glaubenden alles möglich ist. Die Glaubenden partizipieren an Gottes Allmacht, dem allein das pánta dynatá (alles möglich) eigentlich zusteht (10,27; 14,36). Die Aussage „dem Glaubenden ist alles möglich“ wirkt wie eine immer und für alle gültige Sentenz. Im Kontext hier ist der Vater angesprochen, der von Jesus zu uneingeschränktem Vertrauen ermutigt wird. Aber auch Jesu Glaube selbst ist gemeint, dessen absolutes Vertrauen in die Allmacht Gottes, des Vaters, Grundlage seines Wirkens und gerade auch seiner Wundertätigkeit ist.

Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Unter starkem Befremden wiederholt Jesus den Wenn-Satz (Was soll) dieses »wenn du kannst«! Was soll das nach so vielen Taten Jesu, die dem Vater wohlbekannt gewesen sein mußten, hätte er doch sonst nicht seinen Sohn gebracht! Er hatte bereits Signale genug empfangen, daß in Jesus Gott selbst, der Schöpfer und Befreier, begegnete. Von da hätte sich der Glaube zu unbedingter Bitte aufschwingen können. Aber mit seinem »wenn« trat der Mann Gott und Jesus zu nahe.
Positiv fährt Jesus fort: Alles ist möglich dem Glaubenden, und kehrt damit die Bedenken des Vaters herum. Hatte dieser ihn nach seinem Können gefragt, fragt er ihn nach seinem Vertrauen. Lieferst du Gott alle deine Verhältnisse aus? Trittst du mit ihnen unter Zurücklassung aller Wenn und Aber ins Freie, unter den Himmel der Hilfsbereitschaft Gottes? Glaube wäre dieses aufatmende Endlich: endlich nur noch Gott über mir! Darin liegen seine unbegrenzten Möglichkeiten, denn für Gott sind alle Dinge »könnbar« (dynatos, 10,27; 14,35f).

Wuppertaler Studienbibel

So, wie der Menschensohn loslässt, um durch Gottes Eingreifen Leben zu spenden (vgl. Phil 2,5–11), so soll der Nachfolger des 21. Jh. (jetzt öffnet Jesus seine Aussage für alle Nachfolger, Mk 8,34), analog zu Jesu Erniedrigung und Erhöhung, jedoch nicht in direkter Imitation (der Nachfolger wird nie sühnen), loslassen (Mk 8,34–38). Dieses auf Gott vertrauende Loslassen (vgl. Mk 9,19.23.24, wo Jesus die elementare Bedeutung des Vertrauens auf Gott hervorhebt) kann nie bedeuten, dass sich der Nachfolger selbst klein und gering macht. Dann wäre er ja immer noch in seinem Selbstvertrauen verfangen. Das „sich selbst gering machen“ ist die Kehrseite des Stolzes, der sich hervortut. Beides steht in der Autonomie des Menschen begründet. Sich zu „verneinen“, sein Leben als tatsächlich „gerichtsreif“ („kreuzigungsreif“: „sein Kreuz auf sich nehmen“) zu sehen, kann nur ein Ziel haben, nämlich ein Jesus unvoreingenommen verfügbarer Nachfolger zu werden, Jesus ganz gehören zu können (Mk 8,34). Wer sich selbst gering macht, ist als Nachfolger ebenso unbrauchbar wie der, der sich vor Gott und Menschen brüstet.
Wegen Unglauben, wegen Autonomie, wegen Selbstsicherheit, wegen Entfremdung muss Jesus den Sühnetod (Mk 10,45) sterben. Jesus scheint sichtlich von diesem Unglauben umgeben zu sein (Mk 9,19). Das Gegenstück hierzu ist Vertrauen, Offenheit und Abhängigkeit Gott gegenüber. Es ist nicht großer Glaube, sondern einfaches (gottgeschenktes: Mk 9,24) Vertrauen in einen erhabenen Gott.
Das Gebet, die lobpreisende und fürbittende Hinwendung zu Jesus (und damit zum Vater und zum Heiligen Geist) ist zentrale Glaubens-Tätigkeit. Gebet ist Loslassen von eigenen Gelüsten, es ist Festklammern an Gottes Macht, an Gottes Absicht, an Gottes Willen, an Gottes Tun und an Gottes Ehre (vgl. Ps 37,4). So sind Mk 9,23 und 9,29 zu erklären. Ausschlaggebend ist nicht die „Kraft des Glaubens“ oder die „Kraft des Gebets“, sondern die Macht des Objektes des Glaubens, die Macht des Objektes des Gebets, nämlich der erhabene, dreieinige Gott. An dem soll sich der Mensch festmachen.

Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament

Mit Mk 9, 23 stoßen wir zum Gipfel dieses Glaubensgespräches vor. Jesus »sagte dem Vater«, dass das Problem nicht in seinem Können (»Wenn du kannst«), sondern im Glauben des Vaters liege. Hat der Vater den Glauben, dann »ist ihm alles möglich«. Ein ungeheurer Satz! Man vgl. dazu, was über den bergeversetzenden Glauben in Mk 11,23ff. und Mt 17,20; Lk 17,6; 1 Kor 13,2 gesagt ist. Er, Jesus, hat jedenfalls diesen Glauben an den Vater. Darum ist ihm buchstäblich »alles möglich«- auch die Heilung des Jungen. Aber wie steht es mit dem Glauben des Vaters und seiner Familie? Auch wir heutigen Christen müssen zugeben, dass mangelnder Glaube unser Problem darstellt und wir viel mehr Erfahrungen mit Gott machen würden, wenn unser Glaube tiefer und größer wäre.

An dieser Stelle ist es gut, eine kurze biblische Besinnung über den Glauben einzufügen. Glaube ist in der Bibel keine heldische Leistung, ja überhaupt keine Leistung. Er ist vielmehr schlichtes kindliches Vertrauen. Deshalb reicht ein »Senfkorn«-Glaube schon aus, um Berge zu versetzen (vgl. Mt 17,20 parr). »Großer Glaube« besteht in ganzer Hingabe an Jesus (vgl. Mt 15,28). »Kleinglaube« besteht demgegenüber aus einer Mischung von Jesusglauben bzw. Gottesglauben einerseits und Rechnen mit anderen Mächten andererseits (vgl. Mt 8,26; Jak 1,6ff.).

Gerhard Maier – Edition C

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