„Der Baum wurde groß“

Der Baum wurde groß und stark, und seine Höhe reichte bis an den Himmel, und er wurde gesehen bis an das Ende der ganzen Erde; sein Laub war schön und seine Frucht zahlreich, und es war Nahrung an ihm für alle; die Tiere des Feldes fanden Schatten unter ihm, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und alles Fleisch nährte sich von ihm. Ich schaute in den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager, und siehe, ein Wächter und Heiliger stieg vom Himmel hernieder.
Elberfelder 1871 – Dan 4,8–10

Der Baum ward groß, ward überstark,
seine Höhe reichte an den Himmel,
anzuschauen war er bis ans Ende alles Erdlands.
Schön war sein Laub und mächtig seine Frucht,
und Nahrung für alle war dran.
Schatten fand unter ihm das Getier des Feldes,
in seinen Zweigen weilten die Vögel des Himmels,
und von ihm nährte sich alles Fleisch.
Geschaut habe ich, geschaut in der Schau meines Hauptes auf meinem Lager:
da, ein Wachsamer und Heiliger stieg nieder vom Himmel,
Buber & Rosenzweig – Daniel 4,8–10

Der Baum ward groß und stark, und bis an die Himmel reichte seine Höhe, und er war zu schauen bis an das Ende (den hinteren Teil) der Erde. Hi 20,6.
Sein Gezweige war schön, und seiner Frucht viel, und Nahrung an ihm für alle, und das Tier des Feldes hatte Schatten unter ihm, und auf seinen Ästen verweilten die Vögel der Himmel, und alles Fleisch nährte sich von ihm. Ez 17,23; 31,6.
Ich schaute in Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager, und siehe, ein Wächter und ein Heiliger stieg vom Himmel herab. Dan 4,14.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Daniel 4,8–10

Nebukadnezar nannte Daniel den Obersten unter den Magiern . Er tat dies nicht, weil Daniel an der Spitze der Weisen stand, sondern weil er weiser war als sie alle und Träume verstehen und deuten konnte. Der König verpflichtete Daniel, ihm seinen Traum zu deuten. Es war ein einfacher Traum. Nebukadnezar war nicht verwundert durch das, was er gesehen hatte, sondern durch seine Unfähigkeit, die Bedeutung des Traumes zu erkennen.
Einige Zeit vorher war er in den Libanon gereist, um das Fällen der großen Zedern zu beobachten, die die Balken für seine Bauvorhaben in Babel liefern sollten. Er hatte gesehen, wie große, mächtige Bäume gefällt wurden. Auch der Baum , den er im Traum gesehen hatte, war bemerkenswert in seiner Größe (V. 7 – 8 ), seiner Schönheit (V. 9 ) und seiner Frucht (V. 9 ). Er gab allen Tieren und Vögeln , die unter oder in ihm lebten, Speise und Schutz .
Der König berichtete nun, daß er einen Boten gesehen habe, einen heiligen. Diesen heiligen Boten, den Nebukadnezar nicht kannte, hätte ein Jude sofort als Engel vom Himmel erkannt, der mit einer Ankündigung gesandt worden war. Der Bote sagte, daß der Baum gefällt werden, die Zweige von dem Stamm abgeschlagen, die Blätter entfernt und die Frucht zerstreut werden würde. Die Tiere und Vögel, die unter und in seinen Zweigen Schutz gefunden hatten, würden verstreut.
Aber der Stumpf sollte nicht entfernt, sondern mit Ketten aus Eisen und Erz befestigt werden. Vermutlich hätte der erste Teil des Traumes, das Bild des Baumes (V. 7 – 9 ), Nebukadnezar nicht beunruhigt. Vielleicht wäre er sogar stolz geworden, wenn er sich selbst in dem Baum erkannt hätte als der, der so überreich für alle die sorgte, die in seinem Herrschaftsbereich wohnten. Aber dieser zweite Teil der Vision (V. 10 – 12 a), daß nämlich der Baum gefällt werden würde, muß ihn sehr beunruhigt haben.

Die Bibel erkennen und unterscheidet – Walvoord Bibelkommentar

Dann erzählt Nebukadnezar auch Daniel seinen Traum. Darin geht es zunächst um einen riesigen Baum, der in „der Mitte der Erde“ steht, immer größer und stärker wird, bis „an den Himmel“ reicht, „bis ans Ende der ganzen Erde“ gesehen wird und für Nahrung, Wohnung und Schatten sorgt.

(10-13) Entscheidend ist die Fortsetzung des Traums. Plötzlich steigt „ein Wächter und Heiliger … vom Himmel herab“. Der Begriff „Wächter“ findet sich im AT nur in Kapitel 4 (4,10.14.20. Er taucht aber im Henochbuch und im Jubiläenbuch auf (Koch, 421; ABC 4, 789f.; Stefanovic, 156). Dort bezeichnet der Begriff entweder gefallene oder Gott treu gebliebene Engel, die u.a. Aufsicht über Menschen und Gestirne haben. Da der „Wächter“ zugleich als „Heiliger“ bezeichnet wird, sind hier sicher letztere gemeint.

Der „Wächter“ gibt den Befehl, den Baum aufzuhauen, seine Äste abzuschlagen, das Laub zu entfernen und seine Früchte zu verstreuen. Die Tiere, die dort Schatten und Nahrung fanden, und die Vögel des Himmels, die in den Zweigen des Baumes wohnten, sollen „fliehen“. Der „Wurzelstock“ soll allerdings „in der Erde“ gelassen werden – „in einer Fessel aus Eisen und Bronze im Grün des Feldes“. Das, was vom Baum übrig geblieben ist, soll vom „Tau des Himmels … benetzt werden“ und „mit den Tieren … teilhaben am Gras der Erde“. Außerdem soll „sein menschliches Herz … verwandelt und das Herz eines Tieres ihm gegeben werden“ (der Begriff „Herz“ meint vor allem den Verstand, vgl. 4,31). Das alles soll für einen Zeitraum von sieben Jahren gelten.

M.Mainka – Daniel

Erst nachdem Nebukadnezar von Gottes wunderbarem Eingreifen und seinem sorglosen Leben, das er geführt hatte, ein so offenes Bekenntnis abgelegt hatte, erzählte er in seinem Manifeste nun auch den Traum, der ihm geworden war. Wie in einer Vision sah er einen mächtig hohen Baum auf weiter Erde stehen, der an seinen starken Zweigen unzählige Früchte trug und mit seiner Krone tief in die Wolken des Himmels ragte. In seinen Ästen nisteten die Vögel des Himmels, und die Tiere des Feldes fanden Schutz und Schatten unter seinen weitgestreckten Zweigen und nährten sich von seinen Früchten. Und trotz dieser seiner Größe und Stärke glaubte der König, den Baum dennoch weiter wachsen und erstarken zu sehen.
Nun geschah jedoch etwas Unerwartetes. Es fuhr plötzlich ein heiliger Wächter, ein unbekannter Bote aus der Welt des Himmels herab und gebot mit gewaltiger Stimme:
„Hauet den Baum um und schneidet seine Zweige weg; streift sein Laub ab und streuet seine Frucht umher. Es flüchte das Getier unter ihm weg und die Vögel aus seinen Zweigen!“ „Jedoch seinen Wurzelstock lasset in der Erde und zwar in einer Fessel aus Eisen und Erz im Grün des Feldes, und vom Tau des Himmels soll er benetzt werden, und mit den Tieren soll er seinen Anteil haben am Kraut der Erde. Sein Herz soll man anders machen als das eines Menschen, und das Herz eines Tieres soll ihm gegeben werden, und sieben Zeiten sollen über ihn dahingehen. Auf dem Beschluss der Wächter ruht der Befehl, und Anordnung der Heiligen ist die Sache, damit die Lebenden wissen, dass der Höchste Herr ist über das menschliche Königtum, und wem er will, gibt er es, und selbst den Niedrigsten unter den Menschen kann er darüber setzen.“
Es ist verständlich, dass Nebukadnezar auch ohne Dolmetscher aus dem Inhalt des Traumes erkennen musste, dass es sich um eine sehr ernste Kundgebung der Götter für ihn handelte. „Ein heiliger Wächter“, „vom Himmel herabfahrend“, „hauet den Baum um“, – das waren alles inhaltsschwere, wuchtige Erscheinungen im Gesamtbilde, die nichts Gutes ahnen ließen. Es bleibt zwar unverständlich, warum nicht Nebukadnezar gleich den Daniel rufen ließ, um von ihm die richtige Deutung zu empfangen. Wenn auch die große und glanzvolle Regierungszeit mit ihren unzähligen Eindrücken so manches aus dem Gedächtnis Nebukadnezars ausgelöscht hatte, so ist doch nicht anzunehmen, dass er vergessen hatte, wie ihm der erste Traum von Daniel gedeutet worden war.
Wahrscheinlich hat P. G. Stokmann in seiner Annahme recht, wenn er zu dieser Stelle bemerkt: „Selbstverständlich wäre es nun das Verständigste gewesen, Nebukadnezar hätte sogleich seinen bewährten Diener Daniel zu sich kommen lassen und zur Deutung seines Traumes auf gefordert. Wusste er doch aus eigener Erfahrung, dass dieser der einzige Zuverlässige und Glaubwürdige unter allen Traumdeutern des Magier-Ordens sei und ihm in keinem Fall die Wahrheit verschweigen werde! Allein wir scheuen uns leicht davor, die unverhüllte Wahrheit zu erfahren, wenn eine innere Stimme uns ahnen lässt , dass sie sehr betrübend für uns ist. Wir möchten uns dann die Hoffnung auf eine günstige Gestaltung unserer Lage nicht durch eine unabänderlich harte Gewissheit nehmen lassen und ziehen am Ende vielleicht eine angenehme Täuschung der bitteren Erkenntnis der uns bevorstehenden Trübsal vor. Das war denn wohl auch der geheime Grund, weshalb Nebukadnezar zunächst seine heidnischen Traumdeuter zu sich kommen ließ.“
So sah sich der König genötigt, sich auch diesmal an Daniel zu wenden. Was wird der Prophet als Gottes Bote dem Könige zu künden haben? Wird er Gottes Gerichtsoffenbarung in ihrem ganzen Ernst, aber auch mit ihrem Evangelium uneingeschränkt dem Könige zu deuten wagen? Oder wird der Prophet schweigen und der Staatsmann reden, der sich in erster Linie seinem irdischen König verpflichtet weiß?

Kroeker – Das lebendige Wort Band 11

Die biblische Chronologie war für Erforscher der Bibel schon seit langem von großem Interesse. Kommentatoren hatten verschiedene Ansichten geäußert in bezug auf Jesu Prophezeiung über die „Zeiten der Nationen“ sowie den Bericht des Propheten Daniel über den Traum Nebukadnezars von dem Baumstumpf, der für „sieben Zeiten“ gebunden war (Luk 21:24, EB;Dan 4:10-17).
Bereits 1823 ermittelte John A. Brown, dessen Werk in London (England) veröffentlicht wurde, daß die in Daniel, Kapitel 4 erwähnten „sieben Zeiten“ 2 520 Jahre andauern müßten. Allerdings war ihm nicht klar, in welchem Jahr diese vorhergesagte Zeit begann und wann sie enden sollte. Immerhin brachte er die „sieben Zeiten“ mit den Zeiten der Nationen aus Lukas 21:24 in Verbindung. 1844 lenkte der britische Geistliche E. B. Elliott die Aufmerksamkeit auf das Jahr 1914 als möglichen Zeitpunkt für das Ende der in Daniel erwähnten „sieben Zeiten“, doch stellte er noch eine andere These auf, die auf die Zeit der Französischen Revolution hindeutete. Robert Seeley aus London ging 1849 ähnlich vor. Spätestens 1870 wurden in einer Veröffentlichung von Joseph Seiss und seinen Mitarbeitern, die in Philadelphia (Pennsylvanien) gedruckt worden war, Berechnungen dargelegt, die auf 1914 als bedeutsames Jahr hinwiesen, wenn die Argumentation auch auf einer Chronologie beruhte, die C. T. Russell später verwarf.
In den Ausgaben des Herald of the Morning von August, September und Oktober 1875 trug N. H. Barbour dazu bei, die Einzelheiten, auf die andere aufmerksam gemacht hatten, miteinander in Einklang zu bringen. Mit Hilfe der Chronologie Christopher Bowens, eines Geistlichen aus England, die von E. B. Elliott veröffentlicht worden war, setzte Barbour den Beginn der Zeiten der Nationen mit der in Hesekiel 21:25, 26 vorausgesagten Absetzung König Zedekias gleich und wies auf 1914 hin als das Jahr, in dem die Zeiten der Nationen enden würden.
Anfang 1876 erhielt C. T. Russell ein Exemplar des Herald of the Morning. Er schrieb umgehend an Barbour und verbrachte im Sommer einige Zeit mit ihm in Philadelphia, wo sie sich unter anderem über prophetische Zeitperioden unterhielten. Kurz darauf brachte Russell in dem Artikel „Wann werden die Zeiten der Nationen enden?“ biblische Argumente vor und erklärte, alles spreche dafür, daß „die sieben Zeiten 1914 n. Chr. enden werden“. Dieser Artikel wurde in der Ausgabe des Bible Examiner vom Oktober 1876 abgedruckt. In dem Buch Three Worlds, and the Harvest of This World (Drei Welten und die Ernte dieser Welt), das N. H. Barbour 1877 in Zusammenarbeit mit C. T. Russell herausbrachte, wurde dieselbe Schlußfolgerung gezogen. Danach wurde das Jahr 1914 u. Z. in den ersten Ausgaben des Wacht-Turms, wie beispielsweise vom Dezember 1879 und vom Juli 1880 (engl.), als ein Jahr hervorgehoben, das, vom Standpunkt der biblischen Prophezeiungen gesehen, höchst bedeutsam ist. In dem Werk Millennium-Tagesanbruch (später Schriftstudien genannt) behandelte 1889 das gesamte vierte Kapitel des zweiten Bandes das Thema „Die Zeiten der Nationen“. Doch was würde das Ende der Zeiten der Nationen bedeuten?
Die Bibelforscher waren sich nicht ganz sicher, was geschehen würde.

Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes

Also fassen wir zusammen: was heute geglaubt wird, ist eine sehr alte Theorie, die Christen schon lange vor 1880 hatten! Und damals durfte jeder Bibelforscher die Literatur der anderen Kirchen und Gemeinden lesen – denn diese waren ja die wirkliche Quelle. Deshalb liebe ich das Logos-Bibelprogramm – denn ich kann dort mir „in meiner Bibliothek“ die Bücher von Katholiken, Protestanen, messianischen Juden usw usf einfach zu einem Bibelvers durchsuchen lassen – und schnell und einfach lesen, wie die verschiednen Christen zu diesem Vers denken.
So zum Beispiel: WER ist den der Wächter aus Vers 10? Was denkst du, wer das sein könnte?