Bürgerrecht

Aber für uns ist nur das von Belang, dass wir Bürger der Welt Gottes sind und in der Erwartung leben, dass der Messias Jesus, der Herr, als Retter von dorther wiederkommen wird.
Roland Werner – Das Buch – Philipper 3:20

Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten
Elberfelder 1871 – Phil 3,20

Denn unser Gemeinwesen (Staat) befindet sich im Himmel –

 Hebraismus: Himmel im Pl. als der Sitz Gottes, wörtl.: in den Himmeln

-, von wo wir auch als Retter erwarten den Herrn Jesus Christus
offene Bibel – Philipper 3,20

Denn unser Bürgerrecht besteht in den Himmeln- Eph 2,6.19; Kol 3,1 3. -, von woher- Apg 1,11 – wir auch den Erretter, den Herrn Jesus Christus, erwarten- 1 Kor 1,7; 1 Thess 1,10; Tit 2,13. -,
Abraham Meister – Phil 3:20

Wir leben aber in einer anderen Dimension, wir haben einen Pass, auf dem unter der Rubrik „Nationalität“ bei uns „Himmel“ steht. Aus dieser Position erwarten wir unseren Helden, Jesus Christus, der uns gerettet hat!
VolxBibel – Philipper 3:20

Die allgemeine Auferstehung: Wann und welche Art von Körper?

Spätere Generationen verdanken der Verwirrung in Korinth Paulus‘ ausführliche Abhandlung über den Zeitpunkt der allgemeinen Auferstehung und die Art der Leiber, die mit dieser Auferstehung vereinbar sind. Obwohl 1 Kor 15 zu Recht als die gründlichste paulinische Erörterung dieser Fragen angesehen wird, behandeln andere Briefe vergleichbare Fragen (Röm 8,11; 2 Kor 4,13-5,10; Phil 3,20-21; Kol 3,1-4; 1 Thess 4,13-18). Was den Zeitpunkt der Auferstehung betrifft, so lehrt Paulus durchweg, dass „die Übrigen“ von den Toten auferstehen werden, wenn Jesus wiederkommt (1 Kor 15,23; Phil 3,20-21; 1 Thess 4,13-18). Auf die Besorgnis der Thessalonicher, dass diejenigen, die vor der Wiederkunft Jesu gestorben sind, unwiderruflich untergegangen sind, antwortet Paulus ihnen: „Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die in Jesus Entschlafenen zu sich holen“ (1 Thess 4,14). In 1 Kor 15,23 sagt er: „Ein jeder aber in seiner eigenen Ordnung: Christus ist der Erstling, danach die, die Christus gehören, wenn er kommt.“ Er behauptet also, dass diejenigen, die bereits gestorben sind, bei der Wiederkunft Jesu auferweckt werden. Diejenigen, die noch nicht gestorben sind, werden bei seiner Wiederkunft „im Handumdrehen“ verwandelt (1 Kor 15,51-52). Oder wie es in Phil 3,20-21 heißt: Jesus, den wir vom Himmel her erwarten, wird wiederkommen und „den Leib unserer Niedrigkeit in den Leib seiner Herrlichkeit verwandeln, durch die Kraft, die er hat, um sich alles untertan zu machen“. Mit anderen Worten: Der Geist – die Kraft Gottes, durch die Jesus die parodistischen Fürstentümer und Gewalten unterwirft und durch die er selbst auferweckt wurde – wird auch die Leiber der Lebenden verwandeln, wenn er wiederkommt (siehe auch Röm 8,11; 1 Kor 15,20-28.51-52). Aber es bleibt die Frage, welche Art von Körper? Paulus antwortet mit der ihm eigenen Kühnheit.

Du Narr! Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was ihr sät, das sät ihr nicht als den Leib, der sein soll, sondern als ein bloßes Korn, vielleicht von Weizen oder von etwas anderem. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er es gewollt hat, und jedem Samenkorn einen eigenen Leib. (1 Kor 15,36-38)

Dieser und der folgende Abschnitt haben zu Recht eine fruchtbare Debatte ausgelöst. Paulus antwortet schließlich in 1 Kor 15,44, dass das Volk Gottes einen „geistlichen Leib“ (sōma pneumatikon) erhalten wird, der „unsterblich“ und „unvergänglich“ ist. Die platonischen Anklänge an „einen geistlichen Leib“ lassen leicht das Bild eines ätherischen, immateriellen Körpers entstehen. Aber das ist wahrscheinlich nicht das, was Paulus im Sinn hat. Hier betont er, dass der von Gott in der Auferstehung geschenkte Körper vom Geist angetrieben wird und nicht aus Geist besteht. Eine passende Analogie könnte ein „Dampfschiff“ sein (so auch Wright 2003, 352). Der letztgenannte Ausdruck bezeichnet nicht ein zartes Boot, das aus Dampf besteht, sondern ein Boot, das durch Dampf angetrieben oder mit Energie versorgt wird. In vergleichbarer Weise meint Paulus mit „geistlichem Leib“ nicht einen Körper, der aus Geist besteht, sondern einen, der letztlich von Gottes Geist angetrieben wird (vgl. Engberg-Pedersen 2010, 28-30). Wright (2003, 283) weist darauf hin, dass „die griechischen Formen, die auf nos enden, sich auf das Material beziehen, aus dem etwas besteht, während die Formen, die auf kos enden, entweder ethisch oder funktional sind und sich auf die Sphäre beziehen, zu der es gehört, oder auf die Kraft, die es belebt“ (siehe auch Moulton 1908-1976, 2:378, zitiert in Wright 2003, 351n120).
Der Sprachgebrauch des Paulus unterstützt diese Schlussfolgerung. Zum Beispiel sagt Paulus in 1 Kor 3,1 aufgrund der eifersüchtigen Spaltungen unter den Gläubigen, dass sie „fleischlich“ und nicht „geistlich“ (pneumatikois) sind. Hier vergleicht er nicht ihre körperliche Beschaffenheit, sondern die Kraft, die ihre Person und damit ihr Verhalten beseelt. In ähnlicher Weise unterscheidet Paulus in Gal 5,16-17 zwischen „Geist“ und „Fleisch“ und ermahnt die verwirrten Galater, sich vom Geist leiten zu lassen, anstatt sich vom Fleisch verführen zu lassen. Noch einmal: Er ermahnt sie nicht, eher aus ätherischem Geist als aus Haut zu bestehen; er ermahnt sie, sich eher der Kraft des Geistes als der des feindlichen Fleisches zu unterwerfen. Folglich kann er sich in Gal 6,1 an diejenigen wenden, die „geistlich“ (hoi pneumatikoi) sind, d. h. an diejenigen, die aufgrund der Leitung des Geistes fähig sind, einen in Sünde Verstrickten sanft wiederherzustellen. Zahlreiche weitere Beispiele zeigen einen vergleichbaren Gebrauch (Röm 1,11; 7,14; 1 Kor 2,13-15; 10,3-4; 12,1; 14,1; Eph 1,3; 5,19; Kol 1,9; 3,16).
Das Problem, das Paulus mit dem gegenwärtigen Körper sieht, ist also nicht, dass er physisch und nicht ätherisch ist, sondern dass er dem Tod und dem Verfall unterworfen ist. Die Lösung dieses Problems besteht also nicht darin, einen ätherischen Leib zu erhalten, sondern einen physischen, der nicht dem Tod und der Verwesung unterworfen ist; oder, um es mit den Worten des Paulus zu sagen: „Dieses Vergängliche muss das Unvergängliche anziehen, und dieses Sterbliche muss die Unsterblichkeit anziehen“ (1 Kor 15,53; siehe auch 2 Kor 5,1-4). Seine Aussage, dass „Fleisch und Blut“ das Reich Gottes nicht erben können, sollte als funktionale Parallele zu seinen Aussagen über „sterbliche“ und „vergängliche“ Körper verstanden werden. Mit anderen Worten: Mit „Fleisch und Blut“ meint er nicht die bloße Körperlichkeit oder den Status der Verkörperung; er bezieht sich auf „Fleisch und Blut“ in seinem Zustand der Unterwerfung unter Tod und Verfall (siehe z. B. Jeremias 1956, 153; Maston 2016, 13). Der Auferstehungsleib wird also physisch sein, von Gottes Geist belebt und nicht dem Tod und der Verwesung unterworfen. Diese Schlussfolgerungen erlauben uns, etwas über die Natur des Auferstehungsleibes Jesu zu sagen. Paulus bringt die Leugnung der zukünftigen Auferstehung durch die Korinther mit einer konsequenten Leugnung der Auferstehung Jesu in Verbindung. Wenn die Leugnung der zukünftigen Auferstehung die Leugnung der Auferstehung Jesu einschließt, dann schließt Paulus‘ Beschreibung der zukünftigen Auferstehungsleiber vermutlich eine Beschreibung dessen ein, was seiner Meinung nach mit Jesus geschehen ist. Daher beschreibt seine Darstellung der zukünftigen Auferstehung, was mit Jesus bereits geschehen ist; folglich war der Auferstehungsleib Jesu physisch, vollständig vom Geist belebt und unsterblich (vgl. Moffitt 2011).

A Handbook on the Jewish Roots of the Christian Faith

Unser Bürgertum ist im Himmel.

Vergleichen läßt sich Midr Ps 18 § 3 (68b): Dem Musikmeister, von dem Knechte Jahves Ps 18, 1. Aus welchem Grunde hat David gesagt: „von dem Knechte Jahves“? Um dich zu lehren, daß Gott jedem, der sich von seiner Sünde bekehrt, Ehre hinzufügt.… Ebenso findest du es bei David: bevor er sich von jener Tat (des Ehebruchs) bekehrt hatte, wurde er nicht eingeschrieben in das obere Heer אִיסטְרַטְיָא שֶׁל מַעֲלָה; nachdem er aber Buße getan hatte, wurde er in das obere Heer eingeschrieben u. „Knecht Gottes“ genannt.

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

Weltfremdheit im herkömmlichen Sinne des Wortes wird in Vers 20 nicht verlangt, sondern das Wissen um die Zugehörigkeit zur zukünftigen Welt wird vorausgesetzt. Die »Bürgerschaft« bzw. das Bürgerrecht der Christen liegt außerhalb dieser Schöpfung in der neuen Schöpfung, weil Jesus Christus durch seinen Kreuzestod uns losgekauft hat von dieser Welt und ihrem unausweichlichen Ende. Das »Irdische« (wörtlich: »das, was auf Erden ist,«) von Vers 19 findet hier seinen Gegensatz in der »Bürgerschaft im Himmel«. In 1,27 ist schon zur Sprache gekommen, was es bedeutet, Rechte und Pflichten eines Bürgers wahrzunehmen. Die Loyalität des Christen soll der künftigen Welt gehören. Er soll sich durchaus als Fremdkörper in dieser Welt vorkommen. Für unsere modernen Verhältnisse könnten wir sagen, er ist »Gastarbeiter« oder »Tourist« in dieser Welt. Der Christ lebt ganz und gar da, gehört aber doch anderswohin. Der auferstandene und verherrlichte Herr Jesus Christus bereitet jetzt schon den Ort zu, wo wir mit ihm sein werden (Joh 14,1-3). Darum richtet sich der Christ nicht darauf ein, hier auf dieser Erde zu verbleiben oder in diesem irdischen Leben das Entscheidende zu sehen. Er darf sich an diesem Leben hier freuen, nimmt auch alles, was ihm gegeben ist, dankbar an. Bei alledem aber erwartet er den Einbruch des Entscheidenden von der Wiederkunft Jesu Christi, der die Seinen zu sich nehmen wird (1Thess 4,13-18).

Dieser Satz hatte in der Zeit, als er geschrieben wurde, eine ungeheure politische Brisanz. Unter Nero wurden Christen angeklagt als »Feinde der Menschheit« und auf Grund dessen zum Tode verurteilt. Als Paulus diese Zeilen niederschrieb, stand er gerade in solcher Sache vor Gericht. Die Christen der ersten Generation wurden gehasst von den Mitbürgern des römischen Reiches, weil sie den allgemeinen Lebensstil ihrer Mitmenschen nicht teilten. Was wir als Gruppenzwang in unserer Zeit ebenso kennen (etwa im Blick auf Verhaltensweise, Mode, Lebensstandard usw.), war zu jener Zeit gerade im politischen Bereich und auf dem Gebiet des gesellschaftlichen Lebens sehr stark ausgeprägt. Erstmals war unter der Vorherrschaft des römischen Imperiums und durch den von ihm diktierten Frieden die ganze damals bekannte zivilisierte Welt zusammengeschlossen zu einer Einheit. Hatte der Hellenismus in den vorausgehenden Jahrhunderten auf kulturellem Gebiet weitgehend eine Angleichung der Lebensweise gebracht, so wurde jetzt die ganze Menschheit zu einer politischen Einheit zusammengeschmiedet.

Und nun betont Paulus, der als römischer Staatsbürger das Recht hatte, sich auf den Kaiser und sein Urteil zu berufen, dass der Christ nicht zu dieser »Menschheit« gehört, sondern »den Ort seiner (Staats -)Bürgerschaft im Himmel« hat. Dies muss ja den Zorn der Zeitgenossen auf die Christen lenken! Schon die Juden wurden gehasst, weil sie sich, je nach Konsequenz in der Befolgung des Gesetzes, in verschiedenen Stufen von der Bevölkerung absonderten. Nun sonderten sich die Christen nicht in ein Ghetto ab, aber mit ihrer Lebensweise haben sie bekundet, dass sie den Lebensinhalt und Lebensstil ihrer Zeitgenossen ablehnten.

In diesem Sinne ist auch die Rede von Jesus als dem »Retter« zu verstehen. Der Titel »Retter« (soter) wurde seit dem Jahre 48 v. Chr. von den römischen Imperatoren und Kaisern beansprucht, nachdem die Bürger der Stadt Ephesus in jenem Jahr Julius Cäsar als »Allgemeinen Retter der Menschheit« ausgerufen hatten. Die eine brennende Frage in den Prozessen gegen die Christen war: Ist der Christ bereit, die Gottheit des Kaisers anzuerkennen und vor seinem Standbild zu opfern? Nun wird hier Jesus Christus als wahrer Retter dargestellt. Dieses Bekenntnis steht im klaren Widerspruch zur allgemein herrschenden Ansicht, zum System und zur Denk- und Lebensweise des Volkes. Dies hat aber nichts mit einer peinlich wirkenden Weltfremdheit zu tun, sondern daraus folgte der missionarische Angriff. Die »Bürgerschaft im Himmel« verpflichtet den Christen, als »Botschafter an Christi Statt« (2Kor 5,20) zu leben und zu rufen: »Lasset euch versöhnen mit Gott!«

In der Feststellung, dass Christen in Jesus Christus ihren Retter und Herrn haben, ist eine Ablehnung des Kaiserkultes zu sehen; mit der Feststellung, dass die Christen ihr Bürgerrecht im Himmel haben, ist eine Absage an das allgemeine Lebensgefühl und die Gesellschaft jener Zeit überhaupt verbunden. Insofern ist dies ein höchst politischer Satz. Unbeschadet dessen, dass seit dem Jahr 313 n. Chr. die jeweils vorherrschende europäische Macht das christliche Glaubensgut in ihr politisches Programm aufzunehmen versuchte, wird die Tatsache bleiben, dass das wahre politische Engagement der Christen aller Zeiten der Einsatz für das Reich Gottes ist, das erst künftig bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus vollendet werden wird. Somit ist das in diesem Vers angesprochene »Erwarten« (eigentlich: »angespannt warten«) etwas, das grundlegend zum christlichen Glauben gehört. Das NT zeigt einheitlich, dass das entscheidende Ereignis der Erfüllung des Werkes Christi noch aussteht (Mt 24; 25,1-13; 1Kor 1,7-8; Tit 2,13; Heb 9,28). Dabei ist keineswegs an eine innerweltliche Entwicklung auf dieses Ziel hin zu denken. Es bleibt ein zukünftiges Ereignis, das allein durch Gottes Handeln bestimmt ist. Christen leben darauf hin, und zwar so, dass sie es »erwarten«. Dabei meint »erwarten« hier nicht Tatenlosigkeit. Wie wir gesehen haben, ist ja das Leben der Christen geprägt von der Zielstrebigkeit in der Nachfolge.

Edition C

Und nun zeigt Paulus noch einmal den Ort, von dem allein her alles so gesehen und beurteilt werden kann, wie er es dieses ganze 3. Kapitel hindurch tut. „Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln.“ Das Wort „políteuma“ bezeichnet sowohl das Bürgerrecht als auch das Gemeinwesen, den Staatsverband, in dem man Bürgerrecht hat. Gern wird das Wort auch gebraucht, um eine Kolonie von Ausländern zu bezeichnen. Vielleicht wählt Paulus diese besondere Formulierung gerade im Brief nach Philippi, weil diese Stadt eine römische Militärkolonie war, die verwaltungsmäßig über die mazedonischen Provinzialbehörden hinweg mit Rom verbunden war und römisches Recht (das „ius italicum“) besaß. So konnte das Gleichnis den Philippern besonders anschaulich sein. Wir Christen leben wohl auf dieser Erde, in unsern Bedürfnissen an sie gebunden, von den „Archonten dieser Weltzeit“ (1 Ko 2, 8), den „Mächten“ und „Gewalten“ bedrängt (Eph 6, 12), aber im Grunde haben sie uns nichts mehr zu sagen, wir sind „reichsunmittelbar“ zu unserm „Herrn“ gehörig, wie die alten Soldaten in Philippi zu dem „Herrn“ auf dem Caesarenthron in Rom. Wer „auf das Irdische bedacht“ ist, der macht die Fremde zur Heimat und verleugnet sein eigentliches und wahres Bürgertum und scheidet sich von dem Gemeinwesen, dessen Glied er doch sein darf, und trennt sich von Dem, der sein rechter „Herr“ ist, um sich an andere Herren zu verlieren und seinen Bauch zum Gott zu machen!
Paulus hat es sehr betont geschrieben: „Für uns aber ist das Bürgertum in den Himmeln vorhanden.“ Ja, hier gilt es zu wählen! Diese Wahl betrifft die Wurzeln unserer Existenz! Wo sind wir eingebürgert, wo sind wir zu Hause? Auf dieser Erde, in dieser gegenwärtigen sichtbaren Welt? Oder in den Himmeln, weil in Christus Jesus?
Dann ist unsere übliche Vorstellung vom „Himmel“ und dem „in den Himmel kommen“ also doch richtig? Dann ist das Christentum doch „weltflüchtig“? Dann muß es doch heißen „Himmelan, nur himmelan soll der Wandel gehn“? Ja und nein! Das knappe Wort „Unser Bürgertum ist im Himmel!“ richtet allerdings die ganze Entwicklung unseres neuzeitlichen Christentums, die es immer diesseitiger und weltförmiger gemacht hat. Wir waren so stolz darauf, daß wir von dem vielen Denken an Tod und Ewigkeit losgekommen waren und auf dieser Erde unsere Aufgaben als Christen erkannt und angefaßt hatten. Wir ließen uns willig mit hineinziehen in den großen Prozeß, die Erde immer wohnlicher und schöner und reicher zu machen und auf ihr die Ziele unseres Schaffens und Strebens zu suchen. Vor Gott aber mag dieser Ruhm des modernen Christentums vielmehr „Schande“ sein. Daß unser Bürgertum nicht in dieser gegenwärtigen Welt liegt, sondern in der unsichtbaren Wirklichkeit, daß unser „Leben“ tatsächlich „Christus“ und alles andere „Verlust“ ist, das sah man uns Christen von heute nicht mehr an, selbst wenn wir noch davon redeten. Kein Wunder, daß unser Wort und Zeugnis so wenig Vollmacht besaß. „Himmelan, nur himmelan“ …? Ja, Jesus wolle diesen himmlischen Sinn wieder mit Macht in den Seinen erwecken!
Und doch auch: Nein! Auch jetzt, wo es so „platonisch“ klingt: „Unser Bürgertum in den Himmeln“, bleibt Paulus, bleibt das Neue Testament von allem „Platonismus“, von aller „Jenseitigkeit“ und falscher „Geistigkeit“ geschieden! Denn Paulus fährt ja gerade nicht fort: Unser Bürgertum ist im Himmel, „in den wir dann bei unserm Tode kommen werden“, sondern fährt fort: „aus welchem wir auch als Retter sehnlich erwarten den Herrn Jesus Christus!“ Man könnte es einmal so sagen: Unser Bürgertum ist nicht deshalb im Himmel, weil es der Himmel, das bessere Jenseits ist, sondern weil Jesus dort ist! Es liegt von vornherein nicht am Ort und am Raum, sondern am Herrn! Hätte es Gott gefallen, unserm Haupt schon jetzt in der irdischen Stadt Jerusalem den Thronsitz zu geben, so würde es heißen müssen: Unser Bürgertum ist in Jerusalem. Es ist schon so: „Nicht nach Erd, nach Himmel nicht meine Seele wünscht und sehnet; Jesus sucht sie und Sein Licht, Der hat mich mit Gott versöhnet.“
Es geht um Jesus! Er aber ist „der Herr“, der „Kyrios“! Unser abgebrauchtes und bedeutungsloses Wort „Herr“ sagt nicht mehr, was die junge Christenheit vor sich sah, wenn sie Jesus den „Kyrios“ nannte. „Der Herr“, so sagten die alten Soldaten in Philippi, wenn sie vom römischen Kaiser sprachen! Also der „Weltbeherrscher“ ist Jesus! Ja, Er ist der gottgleiche Herrscher des Weltalls, Jehova-Jesus! Darum kann das Ziel aller Dinge niemals nur sein, daß einzelne Menschenseelen zu Jesus in den Himmel kommen, während die ganze übrige Schöpfung sich selbst und den „Mächten“ und dem Tode überlassen bleibt (Rö 8, 19–21). Nein, das Größte und Wichtigste, was Jesus als „Herr“ zu tun hat, steht noch aus! „Drum kann nicht Friede werden, bis Jesu Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu Seinen Füßen liegt, bis Er im neuen Leben die ausgesöhnte Welt Dem, der sie Ihm gegeben, vors Angesicht gestellt.“

Wuppertaler Studienbibel

Spannend, dass sich viele Ausleger eining sind, dass der „Himmel“ eben nicht bedeutet, „im geistigen Bereich“ oder „geistlich“ zu leben – sondern dass der Himmel = Königreich = Herrschaftsgebiet Jehovahs bedeutet! Also kein „gesalbten Überrest“ der „vom Himmel her regiert“ – sondern ALLE wahren Gläubigen MIT CHRISTUS von SEINER Herrschaftsstätte DANN! Jehovah wird Seine Verheißungen des AT wirklich noch erfüllen – und DAVON sprachen die Apostel im NT!
Und was mir wieder auffiel: es dreht sich nicht im mich – sondern um CHRISTUS in dieser Bibelstelle! Und worum dreht sich mein Leben? Wo ist mein Bürgerrecht???

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