„Schmeißt eure Probleme und Sorgen auf Gott“

So demütiget euch nun unter die mächtige Hand Gottes, auf daß er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr alle eure Sorge auf ihn werfet; (Eig geworfen habt) denn er ist besorgt für euch. (O. ihm liegt an euch)
Elberfelder 1871 – 1 Petr 5,6–7

Überlasst all eure Sorgen Gott, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft!
Neues Leben – Bibel 2006 – 1.Petr. 5,7

Allen euren Kummer werft auf ihn; denn er sorgt für euch.
de Wette Bibel – 1.Petrus 5,7

Darum sag ich euch: Unterwerft euch Gott radikal, er hat die Macht! Dann wird er euch groß rausbringen, wenn der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Schmeißt eure Probleme und Sorgen auf Gott, er wird sich schon dadrum kümmern.
VolxBibel – 1.Petrus 5:6–7

Die Erfüllung der Verheißung der endgültigen Befreiung aus den Leiden steht zwar noch aus ( 5,6 ), aber Petrus ermutigt die Gläubigen hier zum Gebet und zum Vertrauen in die Liebe Gottes, die sie schon jetzt erfahren können. Die Juden hatten gelernt, in den Leiden, die ihnen beschieden waren, die liebende Hand Gottes zu erkennen (sie als aus Liebe erfolgte Züchtigung zu betrachten). Die meisten Heiden, die sich durch Opfer und Gelübde das Wohlwollen der Götter erkaufen wollten, hatten dagegen Probleme mit dieser Vorstellung.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

»Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.«

In solcher Unterstellung unter Gottes gewaltige Hand kann der Christ auch seine »Sorge«, seine Kümmernisse loslassen. Das ist gelebte Demütigung vor Gott. Dazu ruft schon Jesus die Seinen sehr eindringlich auf (vgl. Mt 6,25-34). Das griechische Wort »Sorge« heißt von seiner Wurzel her »Kopfdrehung«. Alles, was sich ständig in meinem Kopf dreht, sind also falsche Sorgen, sind also Befürchtungen und Ängste, gegen die ich gar nichts tun kann. Echte Sorgen, wirkliche Für- und Vorsorge sind daran zu erkennen, dass sie vom Kopf in die Hand kommen, also durch mein Handeln gelöst werden können. Gerade im Leiden, auf schweren Lebenswegen und im Blick auf das Kommende überfallen uns viele »Kopfdrehungen«. Sie rauben uns die klare Besinnung.

Solche Sorgen sind im Tiefsten Misstrauen gegen Gott. Ich darf sie »auf ihn werfen«. Die Zeitform im Griechischen macht deutlich, dass das ein andauernder Vorgang ist; wir dürfen das also immer wieder tun. »Werfen« heißt wörtlich »schleudern, wegschleudern«. »Auf ihn«, das geht wohl von dem Bild aus: deine Last auf die Schultern eines andern legen. Wir dürfen das tun wegen der herrlichen Zusage: »Er sorgt für euch« (griech. »ihm liegt an euch«). Die ganze fürsorgliche Liebe Gottes kommt darin zum Ausdruck. Es ist die bleibende Ermutigung zum Abgeben aller falschen Sorgen (vgl. Ps 40,18; 127,2; Lk 12,26; Phil 4,6).

Edition C

Und nun zeigt Petrus den Hörern, weil das Sich-demütigen im Alltag zu praktizieren ist: indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft (wörtlich geworfen habt – Hier steht wieder der Aorist (s. die Anmerkung zu 1,13). Die Hörer werden damit ermahnt, jetzt neu und ernstlich zu tun, wozu sie sich früher schon entschlossen haben, sie werden aufgerufen, die Demut festzuhalten und die Sorge als auf Gott geworfen nicht wiederaufzunehmen. – , denn ihm liegt an euch. (Zitat aus Ps 55,23). Nachdem er zur Beugung unter Gottes mächtiger Hand gemahnt hat, konnte Petrus die Antwort vermuten: Ich will mich ja gern demütigen, mich beugen und die mir Vorgesetzten als mir von Gottes Hand übergeordnet anerkennen. Aber wo soll das hinführen? Ich sorge mich um den rechten Fortgang in der Gemeinde. Petrus würde antworten: wirf die berechtigte Sorge um Gemeindeverhältnisse (und auch alles andere) auf Gott, und du bist frei, dich zu beugen, einzufügen und zu dienen. Das gilt für alle Verhältnisse. Wer seine Sorge auf Gott geworfen hat, ist frei, sich unter seine mächtige Hand zu demütigen und zu tun, was not ist. Auch an die Leidenden ist diese Mahnung gerichtet. Leiden bringt normalerweise Sorge mit sich. Wer aber gelernt hat, hinter allen Gegebenheiten Gottes mächtige Hand zu sehen, weiß: diese mächtige Hand wird mit jeder Sorge fertig. Damit werden wir davor gewarnt, mit der Sorge selbst fertig werden zu wollen. Werfen beinhaltet Aktivität, aber auch den Entschluß, sich völlig von etwas zu trennen. Es meint ein entschiedenes Abgeben der Sorge in die Hand Gottes. Schlatter sagt: „So machen wir uns von unserer Sorge auf die rechte Weise frei, wenn wir sie in die Bitte umsetzen: Sorge du.“ Die Begründung lautet: denn ihm liegt an euch oder: „er kümmert sich um euch.“ Gott ist nicht nur mächtig genug, mit den Sorgen seiner Kinder fertig zu werden, sondern er ist auch willig dazu. Das Wort es liegt ihm an euch drückt die persönliche, väterliche Fürsorge Gottes für seine Kinder aus. Wer das im Glauben ergreift, wird froh darüber sein, alle seine Sorgen auf ihn werfen zu dürfen, und große Getrostheit und Geborgenheit wird über ihn kommen.

Wuppertaler Studienbibel

Zweitens ermahnt Petrus in den Versen 5b-6: Alle aber gürtet euch mit Demut. Er gebraucht das griechische Verb für gürten nur hier und nirgends sonst. Es bedeutet »anziehen« oder »ein Kleid umbinden«. Das Wort bezog sich auf das Anlegen des Sklavenschurzes, der den Sklaven für seinen Dienst vorbereitete und von einem freien Mann unterschied. Die Gläubigen sollten Demut wie ein Kleidungsstück anlegen, um mit Demut bekleidet zu sein. Das Mittel zum Erzeigen von Demut ist, einander zu dienen. Hier zitiert Petrus Sprüche 3,34, um zu untermauern: Gott möchte, dass Gläubige die Tugend der Demut besitzen. Gott widersteht den Hochmütigen. Der griechische Text lautet: »Gott, gegen die Stolzen, er stellt sich auf.« Petrus stellt Gott dar, wie er in Kampfaufmachung den Hochmütigen widersteht. Das Hebräische sagt: »Ganz sicher spottet er den Spöttern.« Während Gott den Hochmütigen widersteht, gibt er den Demütigen Gnade. Wer bereit ist, sich zu demütigen, wird von Gott erhöht. Als Nächstes spricht Petrus einen Imperativ aus: Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes. Das bedeutet, sich als Teil der göttlichen Züchtigung Gottes Handeln unterzuordnen. Diese Aussage ist bereits in 4,12-19 im Kontext der Unterordnung gemacht worden. Das Mittel zur Erzeigung der Demut besteht in diesem Kontext darin, sich den Ältesten unterzuordnen. Wer sich den Ältesten nicht unterordnet, stellt mangelnde Demut zur Schau. Der Lohn der Unterordnung besteht darin, dass er euch erhöhe zur rechten Zeit. Zur rechten Zeit bedeutet »zukünftige Erhöhung« – die von Jesus verheißene Erhöhung, bei der die Demütigen erhöht werden (Mt 23,12; Lk 14,11; 18,14).

Drittens ermahnt Petrus die Herde in Vers 7, ihre Sorgen auf Gott zu werfen. Hier verwendet er ein Partizip; dadurch wird das Mittel zur praktischen Demut erklärt: indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft. Das Wort werfen bedeutet »auf [jemanden/etwas] legen«; »auf [jemanden/etwas] werfen«; »überreichen«. Das Wort Sorge bezieht sich auf »Unruhen und Besorgnisse«. Hier wird dazu ermahnt, im Gebet die Gnade in Besitz zu nehmen und die Last zu erleichtern, indem man sie auf ihn wirft. Die Grundlage hierfür: Denn er ist besorgt für euch. Im Griechischen heißt es wörtlich: »Ihm ist es eine Sorge um euch.« Die Betonung liegt auf Gott, dem an uns liegt.

Arnold Fruchtenbaum – Die Petrusbriefe und Judas

Petrus greift das Stichwort „Demut“ aus 1Petr 5,5 auf und bezieht es auf den Umgang mit Diskriminierung und Verfolgung: „Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes …“ Die „mächtige Hand Gottes“ ist ein Bild, dass schon im Alten Testament für Gottes Eingreifen in die Geschichte steht (z.B. 2Mo 6,1: „…Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao antun werde. Denn durch eine starke Hand gezwungen, wird er sie ziehen lassen, ja, durch eine starke Hand gezwungen, wird er sie aus seinem Land hinausjagen.“). Dementsprechend ist im ersten Petrusbrief wiederholt davon die Rede, dass auch die Verfolgung nicht gegen Gottes Willen geschieht (1Petr 2,15; 3,17; 4,19). Die Gemeinde soll also auch das Leid, dass ihnen durch die Verfolgung geschieht, demütig aus Gottes Hand nehmen.

(7) Das geschieht, „indem“ sie alle ihre Sorgen auf Gott „werfen“. Warum können sie das tun? Weil er sich – auch und gerade in schweren Zeiten – um die Gemeinde kümmern wird. Deshalb können sie „die Sorge von sich werfen, wie man eine Last abwirft. Gott nimmt sie auf.“ (Schelkle, 132).

Mainka – 1. Petrus

Alle eure Sorge werfet auf ihn usw. Jetzt verweist uns der Apostel noch dringender auf Gottes Vorsehung. Das Sprichwort sagt, man müsse mit den Wölfen heulen, und töricht sei, wer wie ein Schaf vom Wolf sich verschlingen lasse. Solche Reden entspringen doch nur der Meinung, dass ein bescheidenes Verhalten auf unserer Seite der Frechheit der Gottlosen die Zügel löse, so dass sie uns nur noch hochfahrender angreifen. Solche Stimmung erwächst aber aus Unkenntnis der göttlichen Vorsehung. Sobald es uns dagegen einmal feststeht, dass Gott für uns sorgt, wird unsere Seele leicht auf Geduld und Sanftmut sich stimmen lassen. Damit also menschliche Ungerechtigkeit uns nicht zu trotzigem Widerstand reize, gibt uns der Apostel das gleiche Heilmittel in die Hand, wie David im 37. Psalm (V. 5): indem wir unsere Sorge auf Gott werfen, sollen wir still sein. Denn wer nicht in Gottes Vorsehung seine Ruhe findet, muss in sich selbst in beständigem Aufruhr sein und mit gewaltsamem Ansturm auf andere losschießen. Umso eifriger sollen wir uns in den Gedanken versenken, dass Gott für uns sorgt: so werden wir zum ersten starken Frieden in uns haben und zum andern uns bescheiden und sanftmütig gegen die Menschen beweisen. Dass wir alle unsere Sorge auf Gott werfen sollen, hat übrigens nicht den Sinn, als sollte unser Herz wie Stein werden und wir alle Empfindung verlieren; nur soll uns kein Zittern noch übermäßige Angst zur Ungeduld treiben. Die Erkenntnis der göttlichen Vorsehung verscheucht nicht derartig jede Sorge, dass die Menschen in Sicherheit sich könnten gehen lassen: sie will uns nicht fleischliche Stumpfheit, sondern Ruhe des Glaubens bringen.

Calvin – 1. Petrusbrief

Der heilige Apostel hatte in dem Vorigen den Aeltesten, d. h. den Predigern ihre Pflichten ans Herz gelegt und gesagt, was sie zu thun schuldig seien. Nachdem er das gethan, so fährt er nun fort: Desselben gleichen ihr Jungen, seid unterthan den Aeltesten. Waren die Aeltesten die Prediger, so sind die Jungen die Gemeinen. Hier legt also der Apostel den Gemeinen ihre Pflichten an’s Herz. Er verlangt kurz und gut, daß die Gemeinen ihren Predigern gehorsam sein sollen, denn unterthan sein heißt nichts anders als gehorchen. Da verlangt der HErr eben solchen Gehorsam, wie von den Predigern bei dem Weiden der Herde Christi, nämlich den Gehorsam von Herzensgrund. Der Prediger vertritt bei der Gemeine nicht die Stelle einer obrigkeitlichen Person, er hat keine Dragoner und Kerkermeister, die ihm helfen, das sind Leute, die im Dienst der weltlichen Obrigkeit stehn. Bist du der Obrigkeit nicht gehorsam, so schickt sie dir Landdragoner und Steckenknechte in’s Haus und du kriegst Execution und Einquartierung. Und die Obrigkeit hat Recht und Pflicht zum Strafen; nicht aber ein Prediger. In dieser Weise kann er das Wort des Apostels: Ihr Jungen seid unterthan den Aeltesten, nicht bei seiner Gemeine zur Geltung bringen.
Wenn die Gemeinen nicht gehorsam sein wollen, so können die Prediger keine Büttel und Gendarmen schicken; die Gemeine soll ja um des Gewissens willen zu Gott gehorsam sein. Sind die Gemeinen ungehorsam, so haben sie allerdings von den Predigern keine Strafe zu erwarten. Wenn ihr Gewissen sie nicht zum Gehorsam zwingt, der Stock soll sie nicht dazu treiben und die Peitsche auch nicht. Aber wenn ihr eurem Prediger nicht gehorsam seid, so sollt ihr einst eure Strafe haben, wenn der Gerichtstag Jesu Christi kommt, bis dahin habt ihr freie Hand. Daraus folgt nun: Dieser Gehorsam, den Gott hier von der Gemeine verlangt, bezieht sich nicht auf äußere Dinge. Ich kann z. B. nicht gebieten, ihr sollt eine Scheune bauen, ihr sollt dies und das thun, das ist meines Amts nicht. Worin ihr mir unterthan sein sollt, das ist die Predigt des göttlichen Worts. Wenn ich euch z. B. predige: Bekehrt euch von ganzem Herzen zu Gott, da ist es eure Pflicht und Schuldigkeit, euch zu bekehren; wenn ich euch sage, ihr sollt nicht wandeln in der Welt und ihrem Wesen, da ist es eure Pflicht und Schuldigkeit, daß ihr gehorsam seid; wenn ich euch die heiligen zehn Gebote auslege und darin zeige, was ihr thun und lassen sollt, so müßt ihr gehorsam sein; wenn ich euch den Glauben predige, so müßt ihr gehorsam sein und glauben und zwar nicht, weil ich es haben will, sondern weil Gott es geboten hat.
Wenn meine Predigt nicht mit Gottes Wort übereinstimmt, so dürft ihr mir nicht gehorsam sein, sondern müßt sagen: Deine Predigt stimmt nicht mit Gottes Wort überein, du bist ein falscher Prediger. Ist sie aber dem Worte Gottes gemäß und ihr seid doch nicht gehorsam, dann habt ihr euch gegen Gott aufgelehnt. Darum sagt der HErr zu Seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört Mich, wer euch aufnimmt, der nimmt Mich auf, wer euch verachtet, der verachtet Mich. Meint ihr, daß ihr bloss dazu da seid, um zu hören, was der Pastor sagt und daß ihr das Thun dann lassen könnt? Da wäre es besser, ihr hättet gar keinen Pastor! Vom Hören allein werdet ihr nicht selig, ihr müßt das Gehörte auch ausführen. Was hilft es euch, wenn vom Glauben gepredigt wird und ihr glaubt nicht? was nützt es euch, wenn von der Bekehrung die Rede ist und ihr bekehrt euch nicht? Deshalb sagt der Apostel so ernstlich: Ihr Jungen seid unterthan den Aeltesten! Hört nicht bloß, was die Prediger sagen, sondern seid auch ihrem Worte gehorsam. Dadurch bereiten sich die meisten Menschen die Verdammnis, daß sie Gottes Wort hören und es nicht thun, deshalb muß es sie am jüngsten Tage verdammen. „Seid Thäter des Worts und nicht Hörer allein, auf daß ihr euch nicht selbst betrügt,“ von dieser Ermahnung ist die ganze Bibel voll, z. B.: Wer da will des Willen thun, der Mich gesandt hat, der wird inne werden, ob Meine Lehre von Gott sei, oder ob Ich von Mir selber rede; also thun sollen wir Gottes Willen. Der HErr sagt am Schlusse der Bergpredigt das ernste Wort: Es werden nicht Alle, die Mein Wort hören, in den Himmel kommen, sondern die den Willen Meines Vaters im Himmel thun; das HErr, HErr sagen ist ganz bequem, das Thun des göttlichen Willens ist nicht so leicht. Viele werden dann kommen und sagen: HErr, HErr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in Deinem Namen Teufel ausgetrieben, haben wir nicht in Deinem Namen große Thaten gethan? Der Herr aber wird ihnen antworten: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet alle von Mir, ihr Uebelthäter! Und wie oft ermahnt nicht der heilige Apostel Jakobus zum Thun des Wortes Gottes.
Also nicht dem Pastor zu Gefallen, sondern eurer Seligkeit zu Gefallen sollt ihr dem Worte Gottes gehorsam sein. Wir sollen thun, was uns die Prediger sagen, damit wir selig werden und damit Gott die Ehre gegeben werde, die Ihm gebührt. Also in irdischen Dingen hat der Pastor nichts zu befehlen, die gehen ihn nichts an; aber im Geistlichen hat er zu befehlen, und wer ihm darin nicht gehorsam ist, der wird es am jüngsten Tage bitter bereuen. –

Ludwig [Louis] Harms – Auslegung der ersten Epistel St. Petri

5, 7: Alle eure Sorge auf ihn werfend, weil er sich um euch kümmert.

Ps 55, 23 nach dem Grundtext: Wirf auf Jahve deine Last (יְהָבְךָ nach dem aram. יְּהָבָא = Last), so wird er dich erhalten. — LXX: ἐπίῤῥιψον ἐπὶ κύριον τὴν μέριμνάν σου, καὶ αὐτός σε διαθρέψει. — Targ: Wirf auf Jahve deine Hoffnung, so wird er dich ernähren. ‖ GnR 79 (51a): R. Chijja der Ältere (um 200) u. R. Schimʿon, der Sohn Rabbis, u. R. Schimʿon b. Chalaphta hatten einige Ausdrücke aus einem arabischen Targum vergessen; sie kamen zu einem arabischen Kaufmann, um sie von dort zu lernen. Da hörten sie seine Stimme, wie er zu einem andren sagte: Hebe diese Last יִהָבָא auf mich! Daraus vernahmen sie, daß מַשׂוֹי = יהבא „Last“ sei, wie es heißt Ps 55, 23: Wirf auf Jahve deine Last, so wird er dich erhalten. — Ähnliches RH 26b, 17 u. Meg 18a, 36. — Zum Sorgen s. weiter bei Mt 6, 25 u. 26 S. 435 ff.

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasc

Die Hoffart und die Sorge weichen miteinander; die Hoffart greift nach dem, was uns begehrenswert scheint; die Sorge fürchtet sich vor dem, worin wir ein Übel sehen, und wir haben ja reichlich Grund zur Sorge. Verluste, Schaden und Leiden gibt es in unserer menschlichen Geschichte in Menge, und wenn wir sie kommen sehen, fasst uns die Sorge. Petrus sagt nicht, dass wir sie nicht spüren sollten; im Gegenteil, der Leichtsinn, der sich blind macht, um die Sorge zu vertreiben, ist eine schlimme Not. Aber wir sollen die Sorge nicht bei uns behalten, sondern sie weitergeben und auf den legen, der allein wirklich sorgen kann, weil er allein die Zukunft kennt und sie nicht nur kennt, sondern auch regiert. Darum machen wir uns von unserer Sorge auf die rechte Weise frei, wenn wir sie in die Bitte umsetzen: „Sorge du.“ Das können wir nicht, wenn wir nicht Gott vertrauen, der auf uns achtet und uns seine Fürsorge und Liebe zuwendet. Aber sein Auge und seine Gnade sind bei denen, die demütig ihm die Ehre geben.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Keiner wird wohl von sich behaupten, er würde sich niemals Sorgen um Dinge machen, die im täglichen Leben auf ihn eindringen.
Da gibt es Probleme am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Ehe, in der Versammlung oder in anderen Lebensbereichen.
An vielen Stellen der Heiligen Schrift werden wir mit diesem Thema konfrontiert. Wir werden aufgefordert, unsere Sorgen auf Gott zu werfen (s. 1 Petrus 5,7a).
Dabei liegen Theorie und Praxis wohl oft weit auseinander und es ist wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, dass Gott selbst für uns besorgt ist (s. 1 Petrus 5,7b).

Sorgen, eine Definition
Es ist gut, einmal darüber nachzudenken, was Sorgen überhaupt sind. Eine mögliche Definition lautet, dass Sorgen Gedanken über die Zukunft in Verbindung mit der Einschätzung unserer eigenen Möglichkeiten sind. Das bedeutet, wir versuchen, Dinge, die auf uns einströmen, mit bereits gemachten Erfahrungen oder menschlichen Fähigkeiten einzuschätzen und daraus einen Lösungsweg für unsere Situation zu finden. Dabei stellen wir oft fest, dass es schwierig werden kann, und das macht uns besorgt.
Wenn wir dabei stehen bleiben und nur so mit Sorgen oder Nöten umgehen, dann unterscheiden wir uns nicht von Menschen, die keine lebendige Beziehung zum Herrn Jesus haben.

Sorgen, und was dahinter steckt
Sorgen sind oft ein Zeichen dafür, dass wir insgeheim doch
• zwei Herren dienen wollen (s. Mt 6,24),
• unser Vertrauen heimlich oder unbewusst auf das Geld oder auf guten Versicherungsschutz setzen,
• auf gute Ärzte vertrauen,
• auf gute, eigene Beziehungen zu Entscheidungsträgern in dieser Welt setzen,
• auf unsere eigenen Fähigkeiten und Kräfte bauen,
• oder, oder, oder…
Wir vergessen, dass wir einen Herrn im Himmel haben, der über allem steht, der die Dinge, die uns begegnen, sogar zulässt, um unseren Glauben an Ihn zu prüfen und zu stärken. Er möchte, dass wir darin wachsen, Ihm zu vertrauen.

Bleib in mir 2-2018

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